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Anderssein

Bin ich anders als die anderen? Was ist anders sein?

"Mit fünfzehn verliebte ich mich in meine beste Freundin. Ich war sehr verwirrt, dass ich eine Frau liebte. In meinem Kopf drehten sich die Fragen: Bin ich normal? Kann das sein? Bin ich lesbisch? Was sagen die anderen, wenn sie es erfahren?"

Mina, 17

Na ja, eigentlich ist ja jeder Mensch ein bisschen anders.
Aber du bist anders als die meisten: Du bist lesbisch, bisexuell oder schwul.

Heute ist dieses Anderssein nicht mehr so aussergewöhnlich. Die Zeiten, in denen man uns für krank oder pervers erklärt hat, sind zum Glück ziemlich vorbei. "Warum", so fragst du dich jetzt vielleicht, "fühle ich mich nicht so wie alle anderen?"

Dafür gibt es viele Gründe. Zum Beispiel werden Schwule und Lesben kaum mehr offen diskriminiert, aber mit Homo- und Bisexualität wird im Alltag nach wie vor nicht gleich umgegangen wie mit Heterosexualität: In Zeitschriften und Zeitungen, in Filmen und am Radio, in der Werbung oder auf der Strasse ist (mit wenigen Ausnahmen) meist nur Heterosexualität in allen Farben und Formen sichtbar. Du musst dich ausdrücklich als Lesbe oder Schwuler zu erkennen geben, bevor jemand auf den Gedanken kommt, dass du möglicherweise nicht hetera oder hetero bist. Du bist auch anders, weil du dich mit etwas auseinandersetzt, mit dem eine "normale" Frau, ein "normaler" Mann nie konfrontiert ist: Du machst dir über deine sexuelle Identität Gedanken, entdeckst dich und deine Gefühle, Wünsche, Ängste... Du schlägst dich mit Themen, wie "wie sage ich es meinen Eltern?" und "wie werden meine Kolleginnen und Kollegen reagieren?" herum. Dieser Prozess gibt dir einen neuen Blickwinkel fürs Leben, der vielen anderen verborgen bleibt. Auch das macht dich anders.

Kennst du Lesben und Schwule nur aus dem Fernsehen? Und kannst du dich mit ihnen überhaupt nicht identifizieren? Längst nicht alle Lesben und Schwule entsprechen dem Klischee, dass sich eine lesbische Frau männlich verhalten muss oder dass sich ein schwuler Mann möglichst weiblich geben soll. Auch wenn das Fernsehen und andere Medien meist ein sehr einseitiges Bild von Lesben und Schwulen zeigen, sind sie genauso verschieden wie alle anderen Menschen auch.

"Heteroleute erkennen Lesben nur daran, dass sie 'so' aussehen, so männlich und vermeintlich cool. Wenn sie lange Haare haben oder Stöckelschuhe, würden die Heteros sie nie mit Lesbischsein in Verbindung bringen... Die Lesben, die sich so zeigen, also männlich, oft Lederklamotten, schwarz und cool, das sind dann die Lesben, die gesehen werden, als Lesben erkannt werden, das ist der Witz dabei - aber ich glaube nicht einmal, dass es die Mehrheit ist."

Marion, 20 Jahre

Es gibt aber keinen vernünftigen Grund, dein Anderssein zu fürchten oder dich deswegen verunsichern zu lassen. Im Gegenteil: Geniesse es, sei stolz darauf und ziehe alle Register für dein "Spiel des Lebens".

Jeder Mensch ist auf seine Art anders. Und das ist gut so. Lasse dich von niemandem unter Druck setzten, du müsstest dich anpassen. Sei was du willst - sei dich selbst!

Quellen:
Broschüre "Coming out", 3. Auflage 2000
Broschüre "Unser Kind fällt aus der Rolle", 1994