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Schule

Wie sag ich’s im Verein, in der Schule, am Arbeitsplatz?

Ob du nun in die Schule gehst oder eine Lehre machst oder am Arbeiten bist; es ist verständlich, dass du auch unter diesen Leuten dein Coming out haben willst. Denn ihr arbeitet zusammen und seht euch täglich. Und wenn die Kollegen vom Wochenende im Verein mit der Freundin erzählen, möchtest du auch offen über dein Privatleben sprechen können. In den folgenden kurzen Texten erfährst du, wie es einigen gegangen ist und was man machen könnte, wenn du dich an folgenden Orten outen willst:

In der Schule

In der Schule wird es vielleicht kein grosses Problem sein, dich outen zu können. Sags im richtgen Moment, z.B. im Biologieunterricht, zum Thema Sexualität. In der heutigen Zeit sind die jungen Menschen schon gut über das Thema informiert und haben meistens auch keine Angst davor. Oft sind sie sehr interessiert daran, mehr von dir zu erfahren. Und wer weiss, vielleicht outen sich nach dir ja noch weitere Mitschüler. Leider ist das Wort "lesbisch" und "schwul" oft ein Fluchwort auf dem Pausenplatz. Die Leute, welche dieses Wort in den Mund nehmen, brauchen es als so selbstverständlich, dass sie gar nicht mehr genau wissen, was es bedeutet, diese Wort zu gebrauchen. Lasse dich davon nicht beeindrucken. Gehe deinen Weg. Wenn du dich in der Schule nur deinen besten Kollegen/Innen outen willst, ist dies sicher auch eine Möglichkeit.

Es ist deine Entscheidung, ob du es sagen willst, aber du musst fast damit rechnen, dass es sich rumspricht.

"Als ich mich outete, da sprach sich in der ganzen Schule sofort herum, dass ich schwul bin. Ich hatte damals riesengrosse Angst, dass ich nun angepöbelt werde. Ich fühlte mich verfolgt und dachte, dass jeder der mich anblickte, nun schlechtes über mich dachte. Es war genau das Gegenteil der Fall. Meine Klasse akzeptierte mich voll, wie ich bin und einige machten mir sogar ein Kompliment, dass ich mich getraut habe, mich offen zu meinen Gefühlen zu bekennen."

Sven, 21*

Vielleicht machst du auch eine Erfahrung, die in diese Richtung geht. Vielleicht hast du nach deinem Outing auch Probleme in der Schule. Sprich mit einem Lehrer, dem du glaubst vertrauen zu können über deine Probleme oder mit deiner besten Freundin. Sie stehen dir bestimmt zur Seite. Vielleicht kannst du dir auch in einer Jugendgruppe einige Tipps holen (siehe kennen lernen).

Bist du in einen Klassenkollegen verliebt und hast grossen Liebenskummer, weil sie/er diese Liebe nicht erwidert? Bist du verzweifelt? Schaue unter Liebe und Sex nach.

Arbeitsplatz

"Ich würde mich nicht als lesbisch outen, dort wo ich arbeite. Ich glaube, dass dort niemand Verständnis hätte. Ich behalte es lieber für mich. Es reicht mir, wenn meine Familie und meine Kollegen wissen, dass ich eine Freundin und keinen Freund habe."

Miriam*, 19  

Am Arbeitsplatz ist es ein wenig schwieriger. Entweder bist du noch in der Ausbildung oder oft ein ganz normaler Angestellter. Dann hast du sowieso nicht viel zu sagen und kannst dich nur beschränkt wehren. Wäge vor deinem Coming out  einmal ab, wie die Leute im Betrieb reagieren werden. Vielleicht lohnt es sich, dass du noch ein Weilchen damit wartest.

Wenn du einen sehr aufgeschlossenen Chef hast, wird es wohl kein Problem sein. Wenn er aber eher konservativ eingestellt ist, ist es nicht sehr klug, ihm davon zu erzählen. Rein rechtlich darf er dich wegen deiner sexuellen Orientierung nicht entlassen (siehe Rechte). Doch wenn er dich nicht mehr  in der Firma haben will, ist es für ihn kein Problem, dich zu entlassen. Natürlich kannst du dann für dein Recht kämpfen, doch willst du unter solchen Umständen in dieser Firma weiterarbeiten?

"An meinem Arbeitsplatz wissen meine Chefin und meine engeren Mitarbeiter von mir, dass ich einen Freund habe. Zuerst hatten Sie etwas Mühe damit und wussten nicht, wie damit umgehen. Doch heute sprechen Sie mit mir manchmal auch darüber und sie haben es voll und ganz akzeptiert."

Sven 21*

Sport

In einem Verein

Treibst du Sport? Machst du Musik? Bist du in der Pfadi?

Vielleicht bist du sogar in einem Vorstand eines Vereins oder einer Organisation. Eventuell bist du einfach nur dabei. Egal was du bist. Es sollte auch hier gelten, dass dich alle so akzeptieren wie du bist.

Leider wie überall kann es sein, dass es Leute gibt, die mit dem Thema LESBISCHWUL sein nicht umgehen können. Falls du dich in deinem Verein outen möchtest, dann versuch es doch zuerst einmal bei einem guten Freund, einer guten Freundin. Vielleicht traust du dich dann zu mehr und diese kann dich unterstützen.

Wir möchten dir gerne zwei Beispiele zeigen, wie es zwei jungen Männern in Vereinen gegangen ist.

Sven erzählt aus seinem Sportverein:

"Zugegeben, die Sportart, die ich betreibe ist nicht jedermanns Sache. Ich bin OL Läufer, oder wie man auch sagt Orientierungsläufer. Mit Karte und Kompass renne ich im Wald umher und suche Objekte an, bei welchen Posten stehen, welche ich mit einer Kontrollmarke versehen muss.

Mein Bruder betreibt die gleiche Sportart wie ich, von dem her gesehen wusste er, dass ich schwul bin, hat es aber, so weit ich weiss, für sich behalten.

Ein Klassenkollege war ebenfalls im gleichen Sportverein wie ich. Er wusste um mein Schwulsein und deshalb kam dieses Thema einmal offen im Training zur Sprache. Die anderen Jungs und Mädels um uns herum, wussten zuerst nicht, wie sie darauf reagieren sollten. Ich diskutierte mit meinem Klassenkollegen kurz über das  Thema Männer und danach war ein langes Schweigen die Antwort. Es kam erst mehrer Wochen später zum Tragen, als mich jemand fragt, ob ich den schwul sein. Ich antwortete mit einem ja und er nahm es mit einem Kopfnicken zur Kenntnis. Was danach alles hinter meinem Rücken über dieses Thema diskutiert wurde, weiss ich nicht. Ich begann mit der Zeit sehr offen und direkt über dieses Thema zu reden. Wenn ich jeweils begann, wurden immer dumme Sprüche liegen gelassen, "ach was interessiert uns das"... Aber Schlussendlich sind aus Witzen und blöden Bemerkungen meist gute Gespräche entstanden. Ich hatte nie eine negative Reaktion im Sportverein erlebt.

Via www.purplemoon.ch, einem Chat für LesBiSchwule Jugendliche lernte ich sogar noch einen anderen schwulen OL Läufer in meinem Alter kennen. Es war für mich damals ein tolles Gefühl, nicht alleine in meiner exotischen Sportart zu sein. Was mir aber noch viel mehr Mut fürs Leben machte, war, dass alle mich im Sportverein so nahmen, wie ich bin."

Sven 21*

Quellen:
Jugendgruppe Expect, 2005 (*Name würde von Expect geändert)
Quelle: Broschüre - schwul, Spot 25 und Aidshilfe Schweiz, 1997